Elba Aktuelles vom Frühjahr 2002

Ist die Insel für uns Mineraliensammler noch eine Reise wert? Entscheiden Sie selbst, ob es sich für Sie lohnt.


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Bereits im Herbst 2001 wurde beschlossen: Im Frühjahr 2002 besuchen wir wieder einmal "unsere" Insel Elba. Wir waren schon oft dort. Mario und Elisa Giacomelli hatten dann auch zum gewünschten Zeitpunkt eine Wohnung für uns frei. Weil sowohl die Gotthardroute als auch Kantonsstrasse nach Göschenen gerade wegen Erdrutsch gesperrt waren, ging die Reise diesmal über den tief verschneiten Grossen St. Bernhard, durchs Aostatal, über Alessandria nach
Genua, von dort immer an der Küste lang nach La Spezia-Pisa-Livorno bis nach
  Piombino.

Trotz der widrigen Umstände in den Alpen stand unser Auto 7 Stunden und 30 Minuten Fahrzeit im Bauch der Fähre. Eine Stunde später konnten wir Mario und Elisa nach einer stürmischen Überfahrt in Capoliveri begrüssen.

Gleich am ersten Abend fuhren wir noch in den Grubenbezirk der Mine Calamita, etwa 10 km östlich von Capoliveri gelegen. Wie bei unseren letzten Besuchen standen immer noch die Schilder dort: "Betreten verboten" . Sie können nicht übersehen werden. Um es gleich vorweg zu nehmen: Alle Minen sind mit einer Ausnahme für Sammler gesperrt. Ich habe mir von Einheimischen sagen lassen, dass "Aufpasser" die Grubenbezirke in allen Minen Elbas nach Mineraliensammlern "absuchen" und teilweise sogar die Ausweispapiere beschlagnahmen, wenn sie fündig werden. Offiziell kann man nur noch auf einem eingegrenzten Gelände des Abbaues Bacino bei Rio Marina suchen: Man muss sich beim dortigen Museum gegen eine Gebühr anmelden und kann dann unter Aufsicht sammeln. In den Rucksack kommen dort zumeist wenige zweitklassige Hämatit-Stufen und etwas Pyrit.

Wenn man sich einigermassen auskennt, gibt es aber durchaus noch Möglichkeiten, Mineralien ohne "Aufpasser und Absperrband" zu suchen.

Von uns besuchte Fundorte:

Calamita:

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Der Grubenbezirk Calamita ("Calamita" = Magnet, wegen des dort vorkommenden Magnetits) ist von Capoliveri aus über eine Schotterstrasse, hoch über dem Meer gelegen, in Richtung Osten zu erreichen. Fundmöglichkeiten gibt es in den Buchten und Stränden unten am Meer. Der Abraum wurde aus den Abbauen direkt ins Meer gekippt. Bereits vor einigen Jahren hatten wir uns eine Möglichkeit ausgedacht, zu den Fundstellen zu gelangen: Einige km vor dem Grubenbezirk zweigt ein Feldweg nach unten/Süden ab, etwas unterhalb kann man den Wagen abstellen und über einen alten Weg in Richtung Grube gehen. Wenige hundert Meter vor den Tagebauen steigt man steil durch die Macchie hinunter zu den Felsklippen. Bei den Felsen ist Klettererfahrung erforderlich. Am Strand liegen Brocken bis 50 cm Durchmesser: Skarnmineralien Ilvait-Epidot-Hedenbergit, alle eingewachsen ohne Hohlräume mit Kristallen. Erze: Hämatit, Pyrit, Magnetit, Kupfermineralien aus der "Grotta Rame". Die Brocken mit grünen Einschlüssen und Klüftchen sind besonders interessant: In ihnen findet man Malachit in kleinen, nadeligen Kristallbüscheln, Azurit, sowie derben, tiefroten Cuprit, Atacamit und manchmal auch gediegen Kupfer. Chrysokoll ist weit verbreitet, ich habe ihn dort in bis zu 20 cm grossen, typisch grünblauen Massen gefunden. In den Felsklippen sehr selten Quarzbänder mit kleinen, prismatischen Quarzkristallen, bis max. 6 cm lang. Der Wiederaufstieg ist schweisstreibend, weil der Hang sehr steil und nach Süden ausgerichtet ist: Der Besuch ist im Sommer nicht zu empfehlen! Wer ein Boot hat oder in Porto Azzurro ein Boot mietet, kann von hier aus zu den Stränden bei der Calamita fahren. Dort einmal angekommen, sind wir "Touristen", "Sonnenanbeter", die von den Minen-Aufpassern nicht belästigt werden. An den nördlichen Stränden der Calamita gibt es Gipskristalle, in Hohlräumen von Brauneisenocker-Brocken.

Rio Marina:

Von Rio nell Elba nach Cavo über den Pass beim Torre Giove. Auf dem Pass das Auto abstellen (ein Weg zweigt direkt auf dem Pass zu einem kleinen Parkplatz nach rechts/Osten ab) und auf einem überwachsenen Weg hinunter durch die Macchie zu den obersten Abbauen des Abbaues Valle Giove, Achtung: in diesen Wäldern gibt es jede Menge Wildschweine) Funde: Eisenocker, Brauner Glaskopf, etwas angewitterter Hämatit

Rio Albano:


Von Rio Marina in Richtung Cavo. Am Ende der Tagebaue gibt es in einer leichten Linkskurve einen Weg zum Strand hinunter. Vor der Schranke das Auto abstellen und sich als "Tourist verkleiden". Direkt rechts hinter der Schranke lagert auf einer Halde Hämatit, welcher gefördert, aber nicht mehr verhüttet / verschifft wurde. Ab und zu wird Material zur Strassenschotterung benötigt. Dann wird die Halde angebaggert und damit werden die Fundmöglichkeiten wieder erneuert. Hier gibt es nur Hämatit, häufig aber in recht netten Kristallen. Unterhalb dieser Halde kann man zum Strand hinunter gehen und sich im Meer abkühlen. In der Hauptsaison ist hier auch eine kleine Strandbar geöffnet.

Porticciolo:



Südlich Rio Marina (am Uhrturm vorbei) liegt die bekannte Prasem-Fundstelle. Leider ist der Bereich rechts/oberhalb des Weges inzwischen ganz eingezäunt und neue Schlilder bestätigen auch hier: kein individuelles Sammeln mehr auf Elba. Unterhalb des Weges haben Sammler in den letzen beiden Jahren alles tief umgegraben, sodass hier ohne Weiteres (Bagger) wohl nichts mehr zu finden ist. Es sei denn, man möchte nur Hedenbergit mit nach Hause nehmen. Das ist aber auch nur möglich, wenn man einen weiten Anmarschweg ohne Auto in Kauf nimmt , oder "Unbedarfte" beim hier geparkten Auto zurück lässt: Bei uns gaben Vater und Schwiegermutter den Anschein, dass hier ein älteres Ehepaar ein Picknick macht. Die Aufpasser zogen ab, die Jungen haben unten in den Büschen Steine gesucht ;-))

Grotta d´Oggi:



Hier gibt es keine Verbotsschilder!! Bei San Piero in Campo führt ein schmaler Trampelpfad nach unten in die Schlucht, in welcher die berühmte Grotta d´Oggi liegt. Hier wurden ja die besten Turmaline Elbas gefunden. Die Halden dieses Pegmatit-Ganges sind mehrfach umgewühlt. Neuerdings haben einige "Profis" mit Stromaggregat und Bohrhammer gearbeitet. Über den Erfolg kann ich keine Aussagen machen. Im weiteren Umkreis um diese Fundstelle herum liegen auch noch andere Pegmatitgänge, die mehr oder weniger gut aufgeschlossen sind. Wir waren diesmal nur kurz dort. Wir werden die Gegend das nächste Mal aber genauer "unter die Lupe" nehmen. Nach einigem Herumkriechen in der dichten Macchie und Klettern in den Granitfelsen konnten wir Schörl mit Orthoklas (Bildbreite 3 cm), Granat, etwas Rauchquarz (Kristall 7 mm) und Spuren der begehrten mehrfarbigen Elbaite
(Bildbreite 4 cm)finden.

Calanova:



Unterhalb/nördlich von Capoliveri liegen wunderschöne, einsame Felsbuchten, die wir vor rund 20 Jahren einmal mit dem Boot besucht haben. Ich erinnerte mich daran, in einer dieser Buchten schmale Quarzgängchen mit Nadelquarz gefunden zu haben, das wollte ich mir nochmal anschauen. Die entsprechende Bucht haben wir auch nach wenigem Suchen wiedergefunden. Die Gängchen finden sich wenige Meter oberhalb des Wassers. Die Kristalle werden bis maximal 3 cm lang, die durchschnittliche Grösse liegt allerdings nur unter einem Zentimeter. Vom Rost gereinigt, sind sie aber lupenrein, hochglänzend und unter dem Binokular ein Leckerbissen.

Fazit: Wir haben trotz Allem auch diesmal nette Stücke gefunden, auch solche, die ich auch jetzt noch in meine Sammlung gelegt habe. Wir haben auch wieder einmal schöne Erinnerungen von dieser vielseitigen, geschichtsträchtigen Insel mitgebracht, unter Anderem rund 200 Digitalbilder, darunter befinden sich auch Bilder von wunderschönen Pflanzen, wie zum Beispiel dem Sternklee, der Hühnerzungen-Orchidee, der Ragwurz-Orchidee, der Mittagsblume. Ihre Schönheit beeindruckt uns immer wieder.

Wir fahren wieder hin.