Quarz aus dem Jura - gar nicht so selten

Wieder eine dieser übertreibenden Ueberschriften...
doch lesen Sie erst mal diesen Bericht. In einem Gespräch mit Hr.Dr. Mullis, Mineralogisch-Petrographisches Institut Basel, schweifen wir auf das Thema "Quarz aus dem Jura" ab. "Solche Funde seien für die Bestimmung der früheren Ablagerungen in dieser Gegend sehr interessant und für nähere Untersuchungen gerne "Willkommen". Ist ja gut, dachte ich mir, aber Quarz liegt im Jura nun einmal nicht nur so rum. Also gelangte ich mit meinem Anliegen an diesen und jenen Kollegen natürlich ohne Erfolg. Doch es sollte sich ändern.



Bild: Waldrand am Bollhof


Als Teilnehmer einer Mineralienreise nach Brasilien ergab sich die Gelegenheit, Kontakt mit anderen Sammlern zu knüpfen. So tauchte auch hier bald einmal die Frage auf ob jemand Quarz aus dem Jura besitze oder gar eine Fundstelle kenne. T. Schwarz meinte darauf hin, dass das Zeugs bei ihm nur so herumliege."Muss denn gleich wieder so übertrieben werden" dachte ich im Stillen, vereinbarte aber gleich einen Treff mit ihm.

Also da standen wir dann am Ackerrand eines sanften Jurahügels oberhalb Eiken.

Typisches Gestein

Einige Schritte weiter -er bückte sich- und zeigte mir das erste Exemplar. Auf dieses gräuliche Gestein müsste man achten, bemerkte er nebenbei. Ich traute meinen Augen nicht... Das Zeug lag hier tatsächlich herum und nur sehr wenige wussten davon.
Angespornt durch diese Ueberraschung versuchte ich in den folgenden Wochen in der Gegend "Anstehendes" zu finden. An verschiedenen Stellen (eine Auflistung erfolgt am Schluss) waren diese grauen, silexartigen Kieselkonkretionen zwar vorhanden, aber immer nur als Lesesteine.

    Lesesteinhaufen beim Bollhof

Die flächenmässige Ausdehnung führte dann zu einer weiteren Ueberraschung.
Erst beim Bau der Gasleitung 1997 gelang es im Leitungsgraben Anstehndes zu finden. Es waren eingelagerte Linsen mit einer Mächtigkeit von bis 50 cm und einer Ausdehnung von bis 25 Metern. Jetzt war mir klar warum vor allem an Acker- und Waldrändern zusammengetragene Haufen dieses Materials lagen. Ackerbau betreibende Bauern mussten beim Ankratzen dieser Linsen diese unweigerlich abräumen. Dieses scharfkantige, harte Gestein wäre ihren Maschinen schlecht bekommen.

Quarzdruse, 5cm

Es gibt sie also diese Quarze im Jura - und nicht wenige. Wenn die meisten Quarze auch nur krustenförmig auftreten,so sind mit etwas Glück doch Kristalle bis 5 mm in geodenähnlichen Hohlräumen zu finden. Ausser dem Normalhabitus treten keine speziellen Formen auf, s- oder r-Flächen fehlen immer. Perfekte Durchsichtigkeit und hoher Glanz sind weitere Merkmale dieses Vorkommens. Selten sind in den aufgeschlagenen Lesesteinen als Begleitmineralien etwas Malachit, Chalkopyrit, Pyrit oder als Einschlüsse auch Goethit zu finden.


Ein gelegentlicher Begleiter ist auch der Calcit. Nur einmal, beim Graben der Gasleitung, war auch Gips zugegen. Azurit scheint eine absolute Ausnahme zu sein. Mein einziges gefundenes Azuritkriställchen verabschiedete sich beim Formatieren auf Nimmerwiedersehen...

  Calcit, 5cm

Übersicht der besuchten Fundpunkte (Auszug):

1. rund um den Bollhof, Acker (1. Fund) Koord. 640.750 / 264.750 430 MüM
2. wie 1 Koord. 640.700 / 264.800 430 MüM
3. wie 1 Koord. 640.325 / 264.425 443 MüM
4. Schupfertenberg / Grüt, Acker Koord. 640.075 / 264.925 443 MüM
5. Schupfertenberg / Grüt, Acker-Waldrand Koord. 640.325 / 264.375 420 MüM
6. Schupfertenberg, Acker-Waldrand Koord. 640.425 / 264.425 450 MüM
7. Holengraben, Acker (beim Kreuz) Koord. 639.810 / 264.650 470 MüM
8. Broom, Acker-Waldrand Koord. 640.250 / 264.625 470 MüM
9. Seckeberg, Acker-Waldrand Koord. 641.450 / 263.625 447 MüM
10. Einletboden, Acker (Pyrit) Koord. 643.250 / 265.125 400 MüM
11. Stelli, Acker Koord. 643.125 / 264.700 418 MüM
12. Hüslimatt, Acker-Waldrand Koord. 642.910 / 264.175 370 MüM
13. Schupfertenberg, Acker-Waldrand Koord. 640.610 / 263.760 460 MüM
14. Leim, Waldrand Koord. 638.385 / 265.125 450 MüM
15. Chatzenflue, Acker-Waldrand Koord. 637.750 / 265.160 510 MüM
16. Zuzgerberg, Acker-Waldrand Koord. 636.880 / 264.100 540 MüM
17. Hohwart, Ackerland Koord. 636.500 / 263.650 571 MüM
18. Dägerfeld, Ackerland Koord. 637.075 / 263.125 553 MüM
19. Wassergrueb, Acker-steinhaufen Koord. 638.375 / 262.525 532 MüM
20. Geren, Acker-Steinhaufen Koord. 636(9?).035 / 262.800 489 MüM
21. Warthöf, Acker-Waldrand Koord. 643.950 / 265.325 422 MüM
22. Wolfgarten, Acker-Waldrand Koord. 644.375 / 264.600 480 MüM

Bemerkungen zu den Fundpunkten

1. Quarz, schönes grünes Malachitbüschel ca. 4 mm lang, hellblaues Mineral (evtl. Azurit), wenig Calcit
3. vermehrt fossile, quarzhaltige Hohlräume als Turmschnecken; ein sehr schönes Ex. gefunden
4. Turmschnecken bis 12 cm, ausgekleidet mit Quarz
5. heruntergerolltes Material unweit der Strasse
9. schöne, wasserklare Quarze
10. erstmals Pyrit gefunden, das Gestein ist poröser, enthält aber auch Quarz und Fossilien

Turmschnecke

11. die Anzeichen bessern sich; die Grösse der Hohlräume nimmt wieder zu ebenfalls bessere Ausbildung Turmschnecke, 9cm, mit Quarz ausgekleidet
15. Turmschnecke mit Quarz, Malachit und Chalkopyrit (Kupferkies), sehr schön
16. und folgende: Suche vor allem südwestlich von Obermumpf weil von hier und der vorhergehenden Fundstelle ein kleiner Taleinschnitt liegt.

Zwischen Oberleim und Zuzgerberg werde ich an einem Steinhaufen wieder fündig. Das zieht sich dann weiter bis zur Hohwart, wo mit 571 MüM
der vermutlich höchste Punkt erreicht wird. Weiter in Richtung Dägerfeld – Wassergrueb – Geren (Depot). Beim letzten Ort: grosse, von Bauern zusammengetragene Brocken mit spärlichem Quarzinhalt.
Das Ausmass der bis jetzt gefundenen Stellen ist überraschend. Interessant wird nun der noch weiter südlich liegende Tiersteinberg. Ein erster kurzer Augenschein am Waldrand und auf den Aeckern endet erfolglos.
Weitere Fundpunkte vermute ich rund um den Flugplatz. Doch nur nördlich davon sind vereinzelt die quarzhaltigen, grauen Brocken konzentrierter, fehlen aber oft ganz. Südlich unterhalb der Flugplatzpiste ist nichts zu finden. Dasselbe gilt am Fusse des Tiersteinberges.
Die grösste Ausdehnung beträgt nun bereits 8 km. Die Grenzen des Vorkommens sind noch nicht gefunden.
Haben Sie in dieser Gegend bereits gesucht oder sollten sie fündig werden, so wäre ich Ihnen für eine kurze Notiz dankbar (Koordinaten, Fundgut).


A.Perner