Auszeichnung für Binninger Fossiliensammler Dr. Hans Hess
 

  Der Preisträger:

Die Schw
eizerische Paläontologische Gesellschaft verleiht Dr. Hans Hess aus Binningen die Amanz Gressly-Auszeichnung
für seine herausragenden Leistungen im Bereich der Paläontologie


Seit mehr als 50 Jahren setzt sich Dr. Hans Hess mit viel Energie für die wissenschaftliche Erforschung der Artenkenntnis und der Ökologie fossiler Stachelhäuter ein, versteinerte Meerestiere, welche in der Schweiz vor rund 150 Millionen Jahren zur Zeit der Dinosaurier die Meere bevölkerten. Seine professionelle Bearbeitung der Funde aus der Schweiz und aus aller Welt hat dazu geführt, dass wichtige Fossilfundstellen einen internationalen Stellenwert erhalten haben, in der Schweiz mitunter Liesberg (BL), Hottwil (AG) und Schinznach-Dorf (AG). Mit seinen unzähligen Publikationen hat Hans Hess einen fundamentalen Beitrag zur Kenntnis der jahremillionenalten Fauna der Stachelhäuter geleistet. Seine Forschungen geniessen weltweit höchste Anerkennung. Für seine Verdienste erhielt Hans Hess den Ehrendoktor der Universität Basel (1989), den HH Bloomer Award der Linnean Society London (2001) und den Harrell L. Strimple Award der amerikanischen Paleontological Society (2002).

Dr. Hans Hess, Binningen.
Fotos: zVg

 

Die Amanz Gressly-Auszeichnung wird jeweils an der Jahresversammlung der Schweizerischen Paläontologischen Gesellschaft verliehen und erinnert an den Wegbereiter moderner Paläoökologie, dem Bärschwiler Geologen Amanz Gressly (1814-1865). Die diesjährige Jahresversammlung fand am 7. Oktober in Frick statt.

Über die Stachelhäuter

Echinodermen oder Stachelhäuter sind ein Tierstamm, der heute 5 Klassen umfasst: Seesterne (Asteriden), Schlangensterne (Ophiuren), Seeigel (Echiniden), Seelilien (Crinoiden) und Seegurken (Holothurien). Echinodermen sind ausschliesslich Meeresbewohner. Im Verlauf der Erdgeschichte waren sie ausserordentlich vielgestaltig und vor allem im Erdaltertum überaus zahlreich. Die ältesten Vertreter haben ein Alter von über 500 Millionen Jahren.

Stachelhäuter zeichnen sich durch eine meist fünfstrahlige Symmetrie und ein gitterförmiges Kalkskelett aus, das durch Einlagerung von Kalkspat sehr leicht versteinert. Entsprechend häufig sind Reste von Seeigeln als Fossilien zu finden. Allerdings ist nur gerade bei den Seeigeln das Skelett als zusammenhängendes Gehäuse ausgebildet. Bei den Seesternen, Schlangensternen und Seelilien besteht das Skelett aus zahlreichen Elementen oder Plättchen, die durch organisches Gewebe verbunden sind. Dieses wird nach dem Tod der Tiere abgebaut und gibt die einzelnen Elemente frei. Durch Wellenbewegung und Umlagerung des losen Sediments mit den porösen und leichten Skelettplättchen bleiben auf dem Meeresboden schliesslich nur noch isolierte Elemente übrig; diese sind vielfach nur schwer zu bestimmen. Vollständige Exemplare von Seesternen, Schlangensternen und Seelilien werden nur unter ganz günstigen Bedingungen eingebettet und sind entsprechend selten.

Etwas weniger bekannt als Seesterne und Seeigel sind Seelilien (trotz ihres Namens handelt es sich nicht um Pflanzen!). Sie dürften wohl nur denjenigen bekannt sein, die als Taucher oder Schnorchler die Wunderwelt der Korallenriffe erlebt haben: Dort trifft man sie in der Form von bunten Haarsternen, die im wesentlichen nur aus den Fangarmen bestehen, an. Als häufige Versteinerungen zeugen Seelilien aus Gesteinen der Jurazeit von den Meeren, welche vor Millionen Jahren unsere Region bedeckten.

Mit seinem Büchlein «Die fossilen Echinodermen des Schweizer Juras» ermöglichte es Dr. Hans Hess inte-
ressierten Laien, sich in die Schönheit und Formenvielfalt dieser Tiergruppe zu vertiefen. (Veröffentlichungen aus dem Naturhistorischen Museum Basel No. 8, 1976).

cenocrinus_asterius:
Heute in tieferen Meeresbereichen noch vorkommende,
gestielte Seelilie Cenocrinus asterius mit 40-50 Armen.
Bahamas, 310m Tiefe.


isocrinus nicoleti:
Seelilie Isocrinus nicoleti mit geknicktem Stiel aus dem mittleren Jura (rund 170 Millionen Jahre) von Schinznach, Kanton Aargau. Heute findet man gestielte Seelilien nur in grösseren Meerestiefen.



© by Binninger Anzeiger