Mineralfunde aus dem St. Galler Calfeisental

Dr. Peter Kürsteiner, http://www.geo-alpstein.ch

Das St. Galler Calfeisental verläuft von Vättis - dieser Ort ist von Bad Ragaz her zu erreichen - in westlicher Richtung bis zum Piz Sardona. Das Gebiet westlich der Staumauer des zur Stromproduktion genutzten Gigerwaldsees steht heute unter Naturschutz; entsprechend ist dort die Suche nach Mineralien verboten. In früheren Jahren konnten im Calfeisental jedoch an verschiedenen Stellen teilweise sehr gute Mineralfunde gemacht werden, auf welche im vorliegenden Text eingegangen werden soll.

Bei der Lokalität Gigerwald, dem Gebiet östlich des Gigerwaldsees, konnten die wohl grössten und schönsten Quarze des Calfeisentals gefunden werden. Die Klüfte befinden sich in den steilen Felspartien entlang dem Bachlauf der Tamina. Sie enthielten Quarz und vereinzelt zusätzlich Calcit. Der Quarz kommt im Normal-Habitus wie auch im Dauphiné-Habitus vor. Doppelender und Fadenquarze sind selten. Die Kristalle weisen Längen bis 13 cm auf. Zusätzlich konnten an dieser Lokalität Stufen mit äusserst filigranen Bergkristallen, Nadelquarz entsprechend, gesammelt werden. Die Quarze haben einen schönen Oberflächenglanz. Sie kommen völlig transparent oder auch weiss vor. Vereinzelt sind dem Quarz kleine weisse Calcit-Skalenoeder aufgelagert. Diese teilweise auch als Doppelender ausgebildeten Calcite sind bis 1 cm lang.

Quarzstufe, Gigerwald. Höhe 30 cm

Vom nahe gelegenen Luterer-Zug südlich der Alp Gigerwald stammen schlanke Quarze im Muzo-Habitus. Diese sind bis 5 cm lang und völlig transparent.

Quarz im Muzo-Habitus, Lutererzug. Breite 4.5 cm

Auch weiter hinten im Calfeisental, westlich des Weilers St. Martin, konnten an verschiedenen Stellen Klüfte geöffnet werden. Als Fundlokalitäten von Quarz bekannt sind dort auf der rechten Talseite das Gebiet um Schräa, auf der linken Talseite das Schafälpli, das Marchtal nördlich der Sardona-Alp, das Gamserälpli, der Stockboden sowie die Alp Tersol. Auch in der Umgebung der Sardonahütte SAC sowie bei der Sardona-Alp konnten Quarze gesammelt werden. Die Klüfte liegen im Sardona-Flysch, welcher stellenweise quarzitisch ausgebildet ist (Sardona-Quarzit).

Bei Schräa fanden sich neben farblosem Quarz in der Normalform durch Schiefer-Einschluss dunkelgrau gefärbte Kristalle sowie Faden- und Meisselquarze. Bei der Lokalität Marchtal konnte K. Bächtiger an verschiedenen Stellen höchstens 3 cm lange, völlig transparente Quarze sammeln. Diese weisen nicht selten s- und x-Flächen auf. Vereinzelt sind Kristalle mit abgeplattetem Habitus sowie solche mit Phantombildung anzutreffen. Die Kristallflächen enthalten zuweilen Abdrücke von weggelöstem Calcit.
Die Bergkristalle vom Gamserälpli sowie vom Stockboden fallen durch ihre Transparenz und durch ihren starken Oberflächenglanz auf. Von der Alp Tersol stammen völlig transparente, teilweise aber auch weisse oder durch Limonit-Überzug gelb gefärbte Kristalle.


Quarz, Schräa. Breite 6 cm

Quarz, Stockboden. Breite 5 cm

Quarz, Alp Tersol. Breite 7 cm

Von der Sardonahütte SAC stammen neben Kristallen in gewöhnlicher Ausbildung solche mit starker Abplattung nach einem Flächenpaar des hexagonalen Prismas, bei gleichzeitiger Verwachsung mehrerer Kristalle auf der Schmalseite. Auch Phantombildung aus graugrünem, wolkigem Chlorit wird beobachtet. Zudem weisen negative Abdrücke auf weggelösten Calcit hin. Die Quarze der Sardona-Alp weisen mitunter eine fast nadelquarz-artige Kristallform auf. Auch konnte dort meisselförmiger Quarz mit Fadenbildung gefunden werden.

Vom Calfeisental stammen auch bedeutende Calcitfunde. In den Jahren um 1970 wurde anlässlich des Kraftwerk-Baus bei Gigerwald in einem Stollen 400 m im Bergesinnern eine etwa zimmergrosse Calcit-Kluft angefahren. Deren Wände waren von Tausenden von Calcitkristallen übersät. Vielerorts waren die Kristalle von schützendem Lehm überzogen und dadurch sehr gut erhalten. Die Kluft lieferte Calcitstufen in hervorragender Qualität und mit teilweise beachtlichen Grössen bis 1 m Breite. Das Mineral ist durchwegs als Skalenoeder ausgebildet, mit Kristall-Längen bis 8 cm. Nur selten konnten Stufen geborgen werden, bei denen die Kristalle von einer zweiten Calcit-Generation mit Kristall-Längen von wenigen Millimetern überzogen sind. Einzelne der Stufen können - allerdings sehr selten - eine Verwachsung zweier Skalenoeder tragen, mit resultierendem schwalbenschwanz-artigem Aussehen. Die Calcite sind in der Regel weiss bis hellbeige, jedoch häufig von einer feinen Schicht Eisenhydroxid überzogen, was ihnen einen zarten gelblichen Farbton verleiht. Dieser gelbe Farbton kann an den verschiedenen Skalenoedern einer Stufe variieren. Auch Kristalle mit fast schwarzen Spitzen kommen vor. Im Naturmuseum St.Gallen ist eine wunderschöne Calcitstufe dieser Lokalität von rund 1 m Breite ausgestellt, überzogen mit Hunderten von Skalenoedern.

Calcitstufe, Kraftwerkstollen Gigerwald. Höhe 44 cm

Calcit, Kraftwerkstollen Gigerwald. Breite 15 cm

Calcit, Kraftwerkstollen Gigerwald. Breite 28 cm

Neben Quarz und Calcit sind im Calfeisental noch Funde von schneeweissem Aragonit (ohne genauere Fundort-Angabe) sowie von Pyrit von der Alp Tersol bekannt. Letzterer ist kugelförmig ausgebildet, mit einem Durchmesser bis 4 cm.

Aragonit, Calfeisental. Breite 13 cm


Literatur:
Eggenberger Peter (1977): Hervorragende Calcitfunde im Tamina- und Calfeisental. Schweizer Strahler 4, 348-354.
Stalder Hans Anton, de Quervain Francis, Niggli Ernst und Graeser Stefan (1973): Die Mineralfunde der Schweiz. Wepf & Co., Basel.
Stalder Hans Anton, Wagner Albert, Graeser Stefan und Stuker Peter (1998): Mineralienlexikon der Schweiz. Wepf & Co., Basel.
Weibel Max (1963): Die Quarzfunde bei Tamins und Vättis. Schweizerische mineralogische und petrographische Mitteilungen 43, 479-483.


Alle Mineralien: Sammlung und Foto Dr. Peter Kürsteiner